Wir sind auf dem Weg. Den Startpunkt unserer Reise können wir nicht bestimmen. Auch wissen wir nicht wo und ob wir jemals ankommen werden. Uns begegnen Gefährten und solche, die uns den Durchgang versperren. Getrieben vom Urgrund allen Seins gehe ich weiter. Lasse dunkle Wälder und helle Lichtungen hinter mir. Bleibe stehen und atme die frische Milde der Prärie.
Doch allzu lange Rast wird mitunter auch zur Last. So streife ich durch Wiesen und Felder – begegne Riesen und Zyklopen, ihre Weisheit schon viele Jahr alt und älter. Langsam verlasse ich mich auf sichere Pfade, gehe nur da wo es ist gerade. Da wo schon jemand des Weges gegangen, traue ich mich unentwegt und unbefangen. Verbreite alles was schon war, erzähle Geschichten vom vorvorletzten Jahr. Habe ganz besessen Angst davor, zu vergessen wie es war zuvor. Als die Wege noch nicht waren und jeder bereit war für wahre Taten. Doch da werde ich betroffen – um mich zu erinnern, muss ich vergessen – ich muss mich selbst wieder treffen. Also auf zu neuen Ufern. Jede Welle spiegelt mein Angesicht, lässt brechen das Licht.
Im Kampf mit den Gewalten und Gezeiten, erkenne ich, wer mir versperrt die Sicht. Ich bin es selbst, der sich immer wieder vor mich stellt. Mich in die Irre führt, mir die Kehle zuschnürt, mich lenkt ohne, dass es mir gefällt. Doch das Schiff wird nicht brechen, so lange der Kapitän den Kompass lesen lernt. Ob Ebbe oder Flut, Sturm oder Drang, sicher ist nur, wer sich auf sich selbst verlassen kann. Es wird also Zeit loszulassen. All das lassen, was man sollen soll. Nur weil etwas nach Norden zeigt, nicht dem Zeiger folgen. Den eigenen Kompass neu justieren ist wohl schwieriger, als den kaputten, alten zu tradieren.
Nun mach dich auf, dreh dich nicht im Kreis, der Karriere, Ziel oder gar Leben heißt. Stattdessen steuere auf dich selbst zu, egal wo du dich befindest, wie du dich empfindest, du kannst nicht ewig vor dir fliehen. Und wenn du das gelobte Land betrittst, schrecke nicht vor steilen Abgründen und tiefen Schluchten zurück. Schau hinein. Erklimme deine felsigen Hürden und wate durch die sumpfigen Betrübnisse. Bleibe stehen, wenn nötig. Doch gehe auch weiter in sonnendurchflutete Haine. Hauptsache du folgst dir selbst, so wie es dir gefällt. Und lass dir nicht alles gefallen, achte auf die Würfel, wie sie fallen. Stück für Stück entsteht somit die eigene Welt. Geboren um selbst zu gebären, erschaffen wir nur das, womit wir uns auch selbst können nähren.
Und so blüht bald hier und überall, etwas vom Selbst, in jedem Tal. Jemand Fremdes und Vertrautes folgt dir gleich. Jetzt wo es deins ist kannst du’s teilen. Ein Stück von dir einem anderen reichen. Es fällt leichter sich zu erleichtern, wenn wir nur wissen, dass jedes ich ganz ich bleibt. So fließt es nur von Raum zu Raum und Zeit zu Zeit, bleibt ganz nah und ist doch weit. Verbunden und doch gelöst, strebt es nach nichts, was es nicht schon ist.
© Simeon Holub